Fast versteckt und abseits vom Trubel der Herrmannstraße befindet sich im Schillerkiez der kleine Laden English Traders. Betritt man den Shop allerdings, findet man ein Produktsortiment vor, was mindestens genauso bunt ist, wie das Leben draußen auf den Straßen Neuköllns. Ladeninhaber John kam vor 15 Jahren von London nach Berlin und hat hier als Plan B zum unsicheren Freelancer-Leben vor drei Jahren seinen Laden eröffnet.

 

John – ich sehe hier von Trinkflaschen, über Brotmesser, bis hin zu falschen Bärten alles was das Herz begehrt, was macht Euer Produktsortiment genau aus?

„Oft kommen Kunden rein und fragen nach Baked Beans und Tee. Da sucht man bei uns allerdings vergeblich. Bei uns gibt es hauptsächlich Haushaltswaren und Geschenke. Wir verbinden das Nützliche mit dem Schönen, alles was wir uns selbst für die Wohnung kaufen würden, findet man auch bei uns im Sortiment. Wir haben besonders designte Geschirrhandtücher aus Neuseeland, handbemaltes Porzellan von Künstlern aus Polen, aber auch Bücher von lokalen Autoren, oder Seifen aus Frankreich. Alle Produkte verbinden Funktionalität, Qualität und Design miteinander. Wir führen sowohl kleine bisher unentdeckte Hersteller, als auch große Labels wie klean kanteen. Wir sind praktisch ein mini Kaufhaus mit Produkten von der ganzen Welt. Vor allem lieben wir neue Designs und Produkte, die auf traditionelle Weise oder aus alten Materialien hergestellt werden“.

 

 

Welche Produkte liegen dir persönlich besonders am Herzen?

„Oh, das ist eine schwierige Frage. Ich finde alle Produkte sind toll. Wie gesagt, alles was man hier findet hätte ich auch gerne selber in meiner Wohnung. Aber ganz besonders schlägt mein Herz für das Thema Urban Gardening. In der Stadt haben die Wenigsten einen eigenen Garten, wollen es aber vor ihrer Tür oder auf ihrem Balkon trotzdem schön grün haben. Dafür haben wir zum Beispiel die sogenannten seedboms aus England bei uns im Sortiment. Das sind mit Samen und Düngemittel gefüllte kompostierbare Kugeln, die man mit Wasser befeuchtet und über Zäune wirft oder einfach auf dem Balkon oder vor der Tür in die kleinen Beete einpflanzt. Die Kugeln lösen sich auf und es wachsen Blumen. Auch eine Art Glückskeks aus Japan, gefüllt mit diversen Samen und ebenfalls zum Einpflanzen gedacht, gehört definitiv zu meinen Lieblingsprodukten bei uns im Laden“.

 

 

Was ist das Schönste an deinem Job?

„Ich liebe das Stöbern nach neuen Produkten, das Jagen nach neuen Herstellern auf der ganzen Welt. Oft fühle ich mich wie ein Detektiv, auf der Spur nach neuen inspirierenden Produkten. Dabei ist es toll mit den Herstellern in Kontakt zu treten, ihre Geschichten zu hören und sich mit ihnen auszutauschen. Dann finde ich es auch großartig wachsende Labels, die mich überzeugen, zu promoten und bei ihrem Wachstumsprozess dabei zu sein. Aber natürlich liebe ich auch meine Kunden. Die sind toll. Ich freue mich über jeden Einzelnen, der reinkommt. – Auch wenn es nur für ein kurzes Hi! ist“.

 

 

Keine Baked Beans und Tee also, aber was steckt dann hinter dem Namen „English Traders“?

„Na wie das immer so ist, steckt man ewig die Köpfe zusammen und philosophiert über einen passenden Namen. Wir haben uns dann einfach für das entschieden, was wir wirklich sind – Englisch und Händler. Engländer waren historisch gesehen schon immer als Entdecker unterwegs und brachten neue Dinge von der ganzen Welt mit nach Hause. Das machen wir ja genauso“.

 

 

Du bist gebürtiger Engländer, Warum hast Du Dich für Berlin und im Besonderen für Neukölln entschieden und damit gegen London?

„Als ich vor 15 Jahren nach Berlin kam, war das sowas wie der nächste Schritt in meinem Leben, sowohl in meiner Karriere als auch im privaten Sinne. Ich mag London immer noch, aber die Stadt ist einfach zu schnelllebig, zu stressig und vor allem auch zu teuer. Berlin ist dagegen etwas ruhiger und vor allem einfacher zum Leben. Dabei ist es trotzdem noch eine Weltstadt mit einer großen Kunst- und Kulturszene und allem was man eben so für ein gutes Leben braucht. Als dann unsere Tochter zur Welt kam fand ich, dass Berlin die bessere Stadt ist, um ein Kind groß zu ziehen. Wir haben schon immer in Neukölln gewohnt. Der Laden war früher unser Lagerraum, er entstand irgendwie zufällig und wurde durch die bunten Einflüsse Neuköllns geformt. Hier findet man Menschen jeglicher Couleur. Zugezogene mit unterschiedlichen Kulturen, aber auch alteingesessene echte Neuköllner. Zwar ist auch hier Gentrifizierung ein Thema, Marktkräfte kann man eben nicht aufhalten, aber ich bin optimistisch, dass sich das Traditionelle hier in Neukölln noch länger hält. Wir haben hier auch tolle Nachbarn, wenn nicht sogar Freunde: Gleich nebenan im Café No58 Speiserei haben sie sogar ein Frühstücksgericht nach mir benannt – da gibt’s dann auch die Baked Beans“!

 


Thanks John!

 

 

{Bilder: via Findeling}