Der gebürtige Hamburger Robert Neuendorf, Kurator mit Wurzeln in der Urban Art, hat zusammen mit Fred Schäfer, Lycien David Cséry und Marcus Schild eine neue Wirkungsstätte in Hamburg geschaffen. Die frühere Affenfaust Galerie in der Detlev-Bremer-Straße 15 erstrahlt ab dem 16. Mai ’15 in neuem Glanz und neuer Location. Der ehemalige Aldi auf St. Pauli dient ab nächstem Monat als neue Ausstellungsfläche für Künstler aus den Bereichen Urban Art und Neue Zeitgenössische Kunst. Die 1000qm Galeriefläche lädt zum verweilen, investieren und connecten ein.

Roberts progressive Karriere begann mit einem Studium der Illustration und hat sich inzwischen, nach einigen Jahren kreativen Schaffens, in St. Paulis Urban Art-Szene etabliert. Hamburgs Hochburg des Amüsierbetriebs dient mit seinen zahlreichen Querdenkern als Inspirationsquelle und ist so ein beliebter Ausstellungsort vieler renommierter Künstler. Kunst findet man hier überall – ob in hochwertigen Galerien oder an Mauern und Hauswänden. Wir wollten genaueres wissen und haben Robert Neuendorf ein paar Fragen über sich und seine Projekte gestellt.

Hallo Robert. Wie bist du eigentlich zu dem gekommen, was du heute machst?
Affenfaust . Findeling

Die Ruhe vor dem Sturm – die neue Location der Affenfaust Galerie

Großgeworden bin ich in Hamburg, um genau zu sein in Norderstedt. Für mich war schon relativ früh klar, dass ich mich im Bereich der Kunst wohlfühlen würde. Ich hatte schon immer das Bedürfnis, meine Ideen und Visionen zu Papier zu bringen. Mein Talent fürs Zeichnen hat mich dann überzeugt, diesen Weg einzuschlagen. Anfangs habe ich nach meinem Abitur den üblichen Werdegang über ein Studium der Illustration an der HAW Hamburg gesucht und konnte mich glücklich schätzen, einen der begehrten Studienplätze bekommen zu haben. Leider musste ich jedoch feststellen, dass dieser Weg nicht der Richtige für mich war.  Nach einigen Semestern habe ich daher mein Studium abgebrochen und bin heute froh darüber.

Du hast also dann als kreativer Freigeist deinen Weg in die Urban Art gefunden?

Am Anfang war da mein eigener „Charakter”, über den ich meine künstlerische Ader ausdrückte. Dieser war größtenteils durch Kindheitserinnerungen und das Hobby meines Vaters beeinflusst – mehr kann ich hier allerdings nicht verraten. Es machte mir viel Spaß diesen Charakter zu verbreiten, obwohl ich damit nie zu einhundert Prozent zufrieden war. Die Straßenkunst fasziniert mich dennoch bis heute. Besonders hat mir daran schon immer gefallen, dass sich Widerstand in künstlerischer Form darstellen lässt. Für mich ist es ein guter Weg seinen Einstellungen und Gedanken Ausdruck zu verleihen. Zudem verschönert es eine Stadt und macht sie meiner Meinung nach lebendiger.

Wie hat alles begonnen, was war dein erster Schritt?
Findeling . Affenfaust

Die Initiatoren: Robert Neuendorf, Fred Schäfer, Lycien David Cséry & Marcus Schild (von links) Foto: Tim Bruening

Zuerst wurden die Jungs von der Affenfaust auf mich aufmerksam. Damals hätte ich nicht gedacht irgendwann mal in dieser Galerie als Kurator mitzuwirken. Im Anschluss daran hatte ich eine Ausstellung bei Kingdrips und in der Millerntor Gallery. Doch meine eigene Figur reichte mir nicht. Ich eckte an, immer wieder fand ich andere Künstler deutlich stärker. Jeder Kreative sollte diese Selbstzweifel kennen. Ich ging aber noch einen Schritt weiter. Ich wollte diese „besseren” Künstler einem breiteren Publikum zugänglich machen. Somit begann die Kuration.
Zudem war die Kooperation mit Mark Einsiedel und Felix Jung von We.are.visual in einem Off-Space in Altona, mit der Ausstellungsreihe Kapriole, ein wichtiger Teil in der Gesamtentwicklung. Das Ganze fand in einer temporären Galerie statt, die aus mehreren Elementen bestand. Dort gab es einige Raum-, Licht- und Wandinstallationen und einen inoffiziellen Teil, in dem Felix, Mark und ich uns öffentlichen Raum zum Werkzeug machten.

Eines deiner Projekte war zudem die „Knotenpunkt“ im Kolbenhof in Altona – bitte erzähl uns doch etwas davon.

Die erste Ausstellung im Kolbenhof war schon ein Erfolg, allerdings ging da noch deutlich mehr. Deshalb haben wir es uns nicht nehmen lassen, im Folgejahr eine weitere Ausstellung zu organisieren. Im Rahmen der zweiten „Knotenpunkt“ in Hamburg wurden zum Beispiel diverse große Fassadenmalereien, sogenannte „Murals“, gestaltet. Die Ergebnisse des Projektes können sich sehen lassen.

Kannst du uns sagen, welche Werke im Rahmen der „Knotenpunkt” entstanden sind?

Da ist zum einen die überlebensgroße Spinne im Gängeviertel des Künstlers Nychos und zum anderen die Darstellungen der Länderumrisse von Steueroasen  von 1010 in der Bleicherstraße auf St. Pauli. Auch das Kunstwerk mit dem Titel „Supasupa“, einer überdimensional großen Version von Super Mario, ist in diesem Kontext in der Tornquiststraße in Eimsbüttel entstanden. Der Künstler Elmar Lause ist zudem Kurator der nächsten Ausstellung in der neuen Affenfaust Galerie. Zudem war Flying Förtress, ebenfalls ein renommierter Urban Art Künstler, mit einigen Werken bei der Ausstellung vertreten.

Affenfaust . Findeling

Das Logo der Affenfaust Galerie, hier in der alten Location in der Detlev-Bremer-Straße

Wie kam es eigentlich zu dem Namen „Affenfaust“?

Die Affenfaust steht für eine bestimmte Art von Seemannsknoten, der in der Schifffahrt heutzutage jedoch weitestgehend verboten wurde. Der Knoten führte aufgrund seiner Festigkeit immer wieder zu Unfällen und barg daher kein unerhebliches Risiko. Die Affenfaust passt daher als Namensgeber sowohl thematisch zu Hamburg als auch zu dem nicht ganz risikofreien Charakter der Urban Art.

Warum Hamburg? Hat es dich nie in eine andere Stadt verschlagen?
Natürlich gibt es auch andere Städte mit großem Urban Art-Potenzial. Beispielsweise zieht es mich immer wieder für Wochenendtrips nach Berlin. Doch Hamburg hat unheimlich viel zu bieten, ständig lerne ich neue Subkulturen kennen von denen ich nichts zuvor wusste. Hamburg ist meine Base und ich habe das Glück, mit vielen hiesigen Künstlern in einem guten freundschaftlichen Verhältnis zu stehen und trotzdem mit ihnen geschäftlich zusammen zu arbeiten. Mich interessiert allerdings der nordamerikanische Raum auch sehr, mal sehen wo mich die Zukunft hinzieht.
Vielen Dank, Robert.

 

Die Neueröffnung der Affenfaust findet am 16. Mai in der Paul-Roosen-Straße 43 auf St. Pauli statt. Weitere Infos findet ihr hier.

 

 

(Bilder: Paul Pack/ Tim Bruening/ Affenfaust Galerie/ Findeling)