Wie schon Goethe sagte: “Warum in die Ferne schweifen? Das Gute liegt so nah.” Dieses Mantra teilt auch Wahlhamburgerin Lina Samoske, Gründerin der Jungdesigner-Plattform NUMADE. Obwohl Lokales ihr Steckenpferd ist, setzt sie bewusst auf das World Wide Web: Als Verfechterin der Handmade-Schaffenden, der jungen Kreativen und des lokalen Designs vertritt sie aufstrebende Labels wie Miau Design, Sara & Sam und Henties in Sachen PR und Online-Marketing und bietet ihnen eine Plattform, auf der sie sich präsentieren können. Wir haben Lina auf einen Kaffee getroffen und uns über ihre Motivation, ihre Ziele und ihre persönliche Trendprognose zum Thema Shopping unterhalten.

LINA
Wie kam es zur Idee von ‚NUMADE‘ und wofür steht die Plattform?

Die Idee entstand vor 5 Jahren, als ich zwei Designmärkte in Hamburg-Altona organisiert habe. Aber wie das denn so ist, entweder braucht man viel Geld, um Ideen sofort umzusetzen oder Zeit und Geduld. Ich habe mich gezwungenermaßen für letzteres entschieden und bin im letzten Jahr online gegangen

Es gibt viele hochwertige Jungdesigner, unabhängige Labels und hauptberufliche Handmade-Schaffende, die kein Geld für teure Marketingmaßnahmen haben. NUMADE ist keine klassische PR-Agentur, sondern eine Online-Präsentationsplattform, auf der sich genau diese Kreativen zeigen können. Mit einem regelmäßigen Newsletter, der an die Presse, an Stylisten und Designinteressierte geht, wird die Online-Reichweite und der Bekanntheitsgrad der Produktdesigner erhöht. Besonders mit Blog-Kooperationen helfe ich so bei der Vermarktung und steigere auch ohne Shopfunktion die Verkaufszahlen der Künstler. Um einen geringen monatlichen Mitgliedschaftsbeitrag anbieten zu können, ist die Unterstützung und Zusammenarbeit der Labels natürlich wichtig. Und, wie man weiß, ist PR ein nie endender und langwieriger Prozess!

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Was fasziniert dich an jungem Design?

In erster Linie die Individualität der Produkte – und die Energie und Liebe, die junge Designer für ihre Produkte aufbringen. Es ist keine Ware von der Stange. Auch wenn viele junge Designer nicht mehr nur auf Anfrage produzieren, so liegt die Stückzahl vielleicht nur bei 1.000 Teilen und eben nicht bei 1 Million pro Produkt. Mittlerweile finde ich es schön zu sehen, wenn Produkte „out of Stock“ sind und nicht ständig immer alles verfügbar ist. Ein richtiger Weg, wie ich finde!

Viele junge Designer – vor allem aus meinem NUMADE-Portfolio – achten außerdem auf die Produktionsbedingungen. Nicht immer wird die Ware zu 100% in Deutschland gefertigt, meist aber in Europa unter fairen Arbeitsbedingungen. Am Schönsten ist es dann natürlich, wenn man beim Kauf sogar noch den/die Designer/in oder Macher/in der Ware kennenlernt. Zusammenfassend würde ich sagen, sind Kreationen junger Designer individuell, hochwertig, persönlich und nachhaltig.

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Trendfrage: Lokales oder World Wide Web?

Definitiv die Kombination. Den Menschen wird es immer wichtiger, zu wissen, wer hinter einem Label steckt. Die Kreativen sollen sich zeigen, meist lassen sich die Produkte so auch besser vermarkten und verkaufen. Online shoppen ist noch immer bequem und beliebt. Aber schon allein der Gedanke daran, dass beladene Lkw täglich dafür durchs Land fahren, lässt mich sagen, dass Online-Shopping nur im „Notfall“ betrieben werden sollte. Kunden wollen vermehrt die Ware anfassen und sofort anprobieren. Neben dem Aspekt der Nachhaltigkeit, finde ich persönlich es total lästig, Ware zu erhalten, die sich dann anders anfühlt als gedacht oder anders sitzt als gewünscht, um dann alles wieder zurückschicken zu müssen. Ich bummle gerne durch kleine Läden, stöbere, entdecke und klöne. So wird auch bewusster gekauft und nicht unwillkürlich bestellt. Manchmal sitze ich abends auf dem Sofa, stöbere durch kleine Online-Läden, freue mich über hübsche Produkte und schaue dann, ob es eine Möglichkeit gibt, sich diese Offline anzuschauen und zu kaufen. Für mich als Endkunde eine perfekte Kombination.

Sich online zu präsentieren ist kostengünstig und sich im Web zu vermarkten funktioniert sehr gut, ich empfehle aber immer auch die Offline-Möglichkeiten, wie zum Beispiel PopUp-Events zu nutzen.

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Was können wir tun um die „Artenvielfalt“ im Bereich Shopping zu verbessern?

Zusammenarbeiten! Das Konkurrenzdenken finde ich sehr lästig, gerade im lokalen Bereich. Es kann viel mehr bewirkt werden, wenn miteinander kooperiert wird. So könnten zum Beispiel kleine inhabergeführte Labels gemeinsam Events organisieren und mehrere kleine Labels könnten sich zusammen eine PopUp-Fläche mieten. Da macht ihr von Findeling ja bereits genau das Richtige. Und auch das NUMADE-Konzept funktioniert ähnlich. Ich kommunizierte beispielsweise mit Blogger/innen und stelle ein Portfolio aus mehreren Produkten beziehungsweise NUMADE-Labels zusammen, sodass sich die Kosten für einen Blog-Artikel geteilt werden können.

Wichtig ist natürlich auch, dass die Endkunden weiterhin auf die positiven Aspekte des lokalen Kaufens aufmerksam gemacht werden – die zeigt ihr ja beispielsweise auch bei euch auf!

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(Bilder: NUMADE / Henties / Sara & Sam / Vierunfünfzig)