Lakritz soweit das Auge reicht – doch wer steckt eigentlich hinter diesem Schlaraffenland in Kreuzberg? Wir haben uns mit dem Lakirtzdealer persönlich getroffen und wollen euch heute zeigen wer dahinter steckt, was es mit dem Namen auf sich hat und woher all die ausgefallenen Produkte überhaupt kommen.

Wer steckt hinter dem „LAKRITZDEALER“? Erzähl uns doch etwas über dich.

Hinter dem LAKRITZDEALER steckt im wirklichen Leben eine Frau. Das bin ich, Begga Beyersmann, von Beruf Diplom-Psychologin mit Schwerpunkt Medien. Ich komme aus Kreuzberg 36, habe viele Jahre in Berlin und London im Bereich Markenpositionierung gearbeitet und bin von klein auf großer Lakritzfan. Mittlerweile habe ich mit der Markenpositionierung eigentlich nur noch für mein eigenes kleines Unternehmen zu tun und versorge die Lakritzsüchtigen dieser Stadt mit dem Stoff, aus dem die Süßholzträume sind.

Was hat dich dazu bewogen dein eigenes Geschäft zu eröffnen? Und warum Lakritz?

Na ja, ich bin Psychologin, was lag da also näher als einen Lakritzladen zu eröffnen?! Nee Quatsch, tatsächlich bin ich ja nun nicht obelixmäßig in den Lakritzzaubertrank gefallen und zack war die Idee geboren. Es gab nicht nur diesen einen einzigen Schlüsselmoment. Wie wahrscheinlich bei den meisten anderen Unternehmensgründungen auch, war das ein viel längerer Prozess. Ich habe oft darüber nachgedacht, mein eigenes Ding zu machen und hatte die verschiedensten Ideen im Kopf. Ich bin viel gereist und war eigentlich auch schon von Kindesbeinen an so ein Foodie. Aber wenn ich überlegt habe, was ich am allerliebsten mag, bin ich immer wieder beim Lakritz hängen geblieben, besonders bei den extrem salzigen Sorten aus dem hohen Norden. In Skandinavien und Holland haben mir schon als Kind diese meterlangen Pick & Mix-Regale und das unfassbar große Sortiment an Lakritzsorten und Lakritzkuriositäten gefallen, das es so in Deutschland nicht gab. Wenn ich mich selbstständig machen würde, dann sollte es also in diese Richtung gehen, je spezialisierter und „nerdiger“, umso besser. Dann kam das Angebot für das Ladengeschäft direkt um die Ecke von der Markthalle Neun, da schien auf einmal alles zu passen: Der Name „LAKRITZDEALER“, der Görlitzer Park, mitten im Kiez der Foodlover, mein Kiez! Ich habe dann Nägeln mit Köpfen und meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

 

Was findet man alles in deinem Laden in Kreuzberg?

Das Sortiment ist so bunt wie Kreuzberg selbst, mittlerweile findet man beim LAKRITZDEALER eine Auswahl aus fast 700 internationalen Lakritzspezialitäten. Rund 200 dieser Sorten bieten wir als lose Ware an, aus der man sich seine ganz persönliche Lieblingsmischung selbst zusammenstellen kann.

Die Produkte stammen vor allem aus Holland, Skandinavien, Island und Finnland, aber auch aus England und südeuropäischen Ländern wie Italien und Spanien. Der größte Teil unserer Ware ist also nicht in Deutschland erhältlich und wird aus dem Ausland importiert. Die Bandbreite erstreckt sich dabei von hart über weich bis cremig sowie von mild, süß und schokoladig über naturherb, würzig und salzig bis hin zu Starklakritz mit voller Salmiakpower. Neben vielen gluten-, gelatine-, laktose- oder zuckerfreien Produkten bieten wir außerdem ein breites Sortiment an veganem Lakritz an. Wer es mal eilig hat, kann natürlich auch auf eine unserer vorgefertigten Lakritzmischungen in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen zurückgreifen. Die wurden übrigens alle nach Freunden benannt, die beim Ladenprojekt immer wieder tatkräftig mitgeholfen haben, wie beispielweise die „Sweet Simone“ oder der „Scharfe Sven“.

Neben der losen Ware lassen sich bei uns beispielsweise auch Lakritzschokolade von Marabou aus Schweden oder Fazer aus Finnland sowie verschiedenste Premium-Lakritzvarianten erwerben, u. a. von Lakrids by Johan Bülow aus Dänemark und Haupt Lakrits aus Schweden. Auch die Lakritzpastillen vom Traditionshersteller Amarelli aus Italien oder Klassiker wie Ga-Jol aus Dänemark und Läkerol oder aus Schweden dürfen hier natürlich nicht fehlen. Alle, die gern in der Küche experimentieren, finden beim LAKRITZDEALER außerdem auch die entsprechenden Inspirationen sowie die dazu gehörenden Zutaten zum Kochen und Backen mit Lakritz.

Mein ganz besonderes Faible gilt aber den kurioseren Lakritzprodukten wie beispielsweise unseren finnischen Lakritzchips, der italienischen Lakritzzahnpasta, dem Lakritz-Zigarettenpapier oder dem schwedischen Lakritzkaugummi. Seit Kurzem haben wir auch Lakritzshampoo und Lakritz-Marshmallows im Programm und Ende des Monats wird endlich das sehnsüchtig erwartete Lakritz-Popcorn aus Schweden eintreffen.

Last but not least: In Kreuzberg darf natürlich der Alkohol nicht fehlen. Wer Lakritz also gern einmal flüssig und hochprozentig genießen möchte, den versorgt der LAKRITZDEALER mit einer exklusiven Auswahl an Lakritzlikören – vom finnischen Klassiker Koskenkorva Salmiakki bis hin zu unseren beiden Bestsellern – dem Kettenfett aus Köln, das mit einer kräftigen Salmiaknote daher kommt, oder dem Pech aus dem Bergischen Land, einem Chili-Lakritzlikör für die, die es gerne scharf mögen. Für die ganz hart Gesottenen werden wir demnächst auch einen Lakritz-Absinth im Programm haben. Und für die, die es eher ohne Umdrehungen mögen, haben wir verschiedene Sorten Lakritztee im Sortiment.

Du kennst viele deiner Hersteller persönlich, warum ist dir das so wichtig?

Ich komme tatsächlich gerade eben von einer längeren Produzentenreise zurück. Diesmal waren es hauptsächlich die Lakritzlikörproduzenten, die ich besucht habe, u. a. die Jungs von Kettenfett in Köln und den Highlander von den Pech Likörmanufakturen in Wermelskirchen.

Warum mache ich das? In erster Linie verbindet einen natürlich die Liebe zum Produkt. Aber nicht nur das Produkt und seine Verpackung sind entscheidend, sondern eben auch die Geschichte und die Menschen, die jeweils dahinter stehen. Das ganze Herzblut, die Zeit und Mühe, die in solch ein Unternehmen einfließen, das ist spannend, das ist authentisch. Zudem handelt es sich bei der Lakritzszene doch um einen eher kleinen, eingeschworenen Kreis, in dem man immer wieder mal auf echte Originale trifft, mit denen man eine wirklich gute Zeit verbringe n kann. Dabei interessieren mich gerade die kleineren Produzenten, die nicht schon seit Jahrzehnten international unterwegs sind. Mich inspiriert dieser gegenseitige Austausch und letztendlich sind viele Hürden, die es immer wieder zu nehmen gilt, doch recht ähnlich. Die Geschichten und kleinen Anekdoten der Hersteller, die ich persönlich kenne, teile ich auch gern mit unseren Kunden, das kommt eigentlich immer gut an. Und mal ehrlich, in welcher anderen Branche wird man von seinem Produzenten mit der Harley empfangen und darf damit selbst mal eben quer durch’s Bergische Land knattern?

Das Schöne an solchen Treffen sind aber auch die neuen Kontakte, Ideen, Kooperationen und Produkte, die entstehen. Dieses Jahr standen die Leute für ein Lakritzbrot, das wir gemeinsam mit Bäckermeister Max Kugel aus Bonn produziert haben, regelrecht Schlange. Da denkt man dann, okay, alles richtig gemacht, die Leute verstehen, was wir wollen, haben Interesse daran und unterstützen das auch. Das macht dann richtig Spaß. Und dann vor allem natürlich das Lakritzbier, unser „LiquoRICH Ale“, das wir in Kooperation mit der Mashsee Brauerei aus Hannover und Pirate Brew aus Berlin gebraut haben. Das war in null Komma nix ausverkauft. Wir haben das noch nicht einmal in Flaschen abfüllen können, so schnell war das weg. Da kommen immer wieder Nachfragen und ja, wir werden nochmal brauen. Diesmal mehr und auch abgefüllt in Flaschen. Vermutlich aber erst wieder im nächsten Jahr, weil es eben doch nicht so einfach ist, alle Beteiligten zeitlich unter einen Hut zu bringen.

Was ist für dich das Besondere an kleinen Stores?

Für mich ist das das typische Kreuzberg, so bunt wie ich es noch von früher kenne. Seit Jahren reden alle von der Gentrifizierung und vom Sterben des kleinen Einzelhandels. Das ist Fakt und natürlich kann man das nicht mehr ungeschehen machen, aber dennoch kann man Gegenakzente setzen und versuchen, die Kiezkultur so weit wie möglich zu erhalten und wieder zu beleben. Ich komme aus diesem Kiez, ich kenne die meisten Stammkunden und Nachbarn noch persönlich, man hilft sich gegenseitig und das ist das, was auch kleine Stores für mich ausmachen: Der persönliche, authentische Kontakt. Man kennt eben noch die Person, die tagtäglich hinter dem Tresen steht, sieht die Entwicklungen und plaudert ein wenig miteinander, wenn die Zeit es zulässt. Der Kunde hat auch einen ganz anderen Bezug zu den Produkten, vertraut unseren persönlichen Empfehlungen. Wir sind hier wirklich die LAKRITZDEALER im wahrsten Sinne des Wortes. Auch der kleine Schwatz unter Lakritzfans und das Probieren neuer Sorten darf da nicht fehlen. Und wenn die Altbautür aus den Angeln kippt und droht, den LAKRITZDEALER zu erschlagen, dann sprintet der Nachbar auch mal im Pyjama zur Rettung. Und wenn der LAKRITZDEALER es vor lauter Arbeit einfach nicht schafft, sein eigenes Blumenbeet zu bepflanzen, überraschen einen die besten Nachbarn der Welt am nächsten Morgen mit einem wunderhübsch bepflanzten Beet. Das ist für mich der besondere Charme kleiner Kiezläden. Das größte Kompliment, das eine Nachbarin mir bereits im ersten Jahr machte, ist nach wie vor „Der LAKRITZDEALER ist jetzt ein echter Kiezladen, du bist wirklich mit deinem Laden im Kiez angekommen!“. Das ist toll, das bestätigt einem in dem, was man täglich macht. Auch an Kiezkooperationen ist mir immer viel gelegen. Eine meiner ersten Kooperationen war die mit dem Kreuzberger Fahrradladen Radlust. Die verkaufen schon von Anfang an unser Kettenfett, passt ja auch total gut und die Radfahrercommunity unter den Kettenfett-Fans wächst und wächst.

Mittlerweile betreibe ich nicht mehr nur ausschließlich den Kiezladen, sondern habe auch einen regelmäßigen Marktstand in der Markthalle Neun und auf Eventmärkten, beliefere Kinos, Spätis, andere kleine Läden, Hotels und das Lütt Köök Huus in der in Bremen. Langfristig wird es für den LAKRITZDEALER zudem nicht ohne einen Onlineshop gehen, den Realitätsabgleich muss man schon machen. Aber das persönliche Gespräch im Laden, das Probieren neuer Sorten, der kleine Schnack, das ist durch nichts in der Welt zu ersetzen und das ist das, was kleine Läden so besonders macht.

 

 

 

Vielen Dank, liebe Begga.

 

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Für alle Lakritzliebhaber oder die, die es noch werden wollen
bitte einmal hier entlang.

 

(Bilder:LAKRITZDEALER und Findeling)