Seit etwas über zwei Jahren führen die Freundinnen Katrin und Katharina erfolgreich ihren Laden Standard Saubere Sachen im Reuterkiez in Neukölln. In dem kleinen Geschäft gibt es sowohl Fair Fashion Teile für die ganze Familie, als auch nachhaltig produzierte Geschenkartikel, Accessoires oder regional hergestellte Spirituosen. Mit viel Herzblut werden hier nicht einfach nur „saubere“ Produkte verkauft, sondern ein Bewusstsein dafür geschaffen, wofür Eco Mode und Nachhaltigkeit eigentlich stehen.

 

 

Was hat euch zusammen gebracht und wie ist die Idee entstanden einen Fair Fashion Laden zu eröffnen?

„Wir haben uns 2003 bei der Arbeit am Theater kennengelernt. Als Kostüm- bzw. Bühnenbildnerinnen haben wir einige Projekte gemeinsam gemacht und sind in diesem Rahmen auch viel zusammen gereist. Im Laufe der Zeit ist daraus eine Freundschaft entstanden und das Wissen, gut miteinander arbeiten zu können.
Der Gedanke einen Laden zu eröffnen ist dann über viele Jahre gewachsen. Zunächst war die Idee da, eine Art Projektraum zu eröffnen, in dem man eigene Sachen zeigen, umsetzen oder vernetzen kann.  Mit dem Hintergedanken eine berufliche Konstante zur projektbasierten Theaterarbeit zu schaffen, bei der man sein eigener Chef und damit unabhängig vom Theater ist und die sich gleichzeitig wirtschaftlich selbst tragen kann, wurde daraus dann der Wunsch nach einem eigenen Laden.
Da  Katharina Modedesign studiert hat und Katrin auch irgendwann als Kostümbildnerin fürs Theater arbeitete, gab es das gemeinsame Interesse an Mode. Als Kostümbildnerin ist man doch viel in den typischen großen Modeketten unterwegs und bekommt ein starkes Bewusstsein für das Konsumverhalten der typischen Fast Fashion Käufer.
Wir waren auf der Suche nach einer Alternative für uns selbst. Bei den damals noch sehr wenigen Eco Fashion Läden Berlins wurden wir allerdings nicht fündig und es brauchte drei Jahre regelmäßige Besuche der Ethical Fashion Show und viel Recherche im Internet, bis es zu einem „Aha-Erlebnis“ kam und wir überhaupt genügend interessante Labels gefunden hatten, mit denen sich theoretisch ein Ladensortiment bestücken ließ.
Uns war von Anfang an besonders wichtig, dass unsere Produkte modern und interessant sind, so dass wir sie selbst gerne tragen würden und sie zu Lieblingsteilen werden.“

 

 

Fair Fashion ist für einige vielleicht noch gar kein Begriff. – Was bedeutet er konkret für Euch?

„Es geht vor allem darum ein Bewusstsein zu schaffen, für das, was man eigentlich konsumiert beziehungsweise kauft. – Welchen Weg durchläuft das Produkt von der einzelnen Ressource bis hin zum fertigen Erzeugnis? Ziel ist es natürlich, bei allen Produktionsschritten darauf zu achten, dass die Verarbeitung fair oder ethisch vertretbar geschieht. Das heißt zum einen natürlich fair gegenüber beteiligten Arbeitskräften im Sinne von Mindestlohnzahlungen oder Arbeitsschutzsicherheit, aber auch fair gegenüber Tier und Umwelt. Dabei soll beispielweise der Wasser- oder Chemikalienverbrauch bei der Herstellung minimiert werden. Menschen, die sich noch nicht so gut in der Fair Fashion Welt auskennen, können sich ganz einfach über Foren und Blogs informieren. Fair Fashion muss weder unendlich teuer sein, noch ausschließlich aus Hanf und Leinen bestehen. Es gibt sehr viele auch kostengünstigere Labels, die sich wunderbar als Einstieg in die Fair Fashion Welt eignen.”

 

 

Woher nehmt ihr den Mut und den Antrieb für die Selbstständigkeit?

„Durch das projektbasierte Arbeiten beim Theater sind wir die Selbstständigkeit bereits gewohnt gewesen und genießen es jetzt durch Ladenöffnungszeiten und die gemeinsame Arbeit einen Rhythmus und eine Konstante hier in Berlin zu haben. Natürlich ist es auch einfacher, dass wir zu zweit sind und Entscheidungen gemeinsam treffen. Außerdem haben wir große Unterstützung in der Familie. Angefangen mit unseren Männern, die uns bei der Einrichtung geholfen haben bis hin zu den Großeltern, die auf die Kinder aufpassen. Unser Laden ist definitiv ein kreativer Gemeinschaftsort. Hier herein zu kommen, zu sehen, was wir kreiert haben und der Austausch mit Gleichgesinnten oder Stammkunden, die zum Hi sagen vorbeikommen und Blumen bringen – das sind alles Umstände die unglaublich motivierend sind.  Da braucht es gar nicht mehr viel Mut.“

 

Was ist euer persönliches Highlight in der Zeit von Standard Saubere Sachen?

„Wir sind einfach sehr glücklich über das, was wir hier geschaffen haben. Dass wir es ohne konkretes unternehmerisches Know-How oder einen Businessplan geschafft haben, diesen Laden aufzubauen und dass er stetig wächst, macht uns stolz.

Außerdem sind wir dankbar dafür, welch tolle Produkte wir hier präsentieren dürfen, egal ob es nun die Jeans von MUD sind, deren Designer wir seit unserem ersten Besuch der Ethical Fashion Week kennen, oder der Kaffee der Nuru-Schwestern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, mit dem Verkauf von Fair Trade Kaffee ihrem Herkunftsland Äthiopien etwas zurück zu geben. Auch der von Rixdorfern gebrannte Absinth oder die Naturkosmetik von Fra Lippo Lippie sind besondere Schätze in unserem Sortiment und die Entdeckung jedes einzelnen neuen Produktes ist bereits ein Highlight für sich. Dazu kommt der Austausch mit Designern, Künstlern und Herstellern, der einen großartigen Teil der täglichen Arbeit bei uns im Laden ausmacht.“

 

 

Seht ihr positive Trends in Sachen Eco Fashion? Und wo soll Eure persönliche Reise hingehen?

„Am Anfang war es ist ein bisschen wie damals in den 80igern, als es nur einen Bio Lebensmittelladen in ganz Berlin gab. Mittlerweile sprießen auch die Fair Fashion Shops, ähnlich wie vor einigen Jahren die Bio Supermärkte, überall in der Stadt aus dem Boden. Es ist also definitiv zu spüren, dass es eine positive Bewegung gibt und die Menschen bewusster einkaufen. Das ist natürlich noch ein langer Weg, aber das „Greenwashing“ von H&M und Co verdeutlicht, dass der Markt ein Interesse an fairer Mode hat und auch die großen Ketten umrüsten müssen.
Bei uns persönlich steht dieses Jahr viel an. Wir planen die Umsetzung eines Online-Shops und wollen die Herstellung unserer eigenen Produkte weiter ausbauen. Außerdem ist unser Laden immer noch ein Projektraum. In diesem Rahmen wird es hier beispielsweise weiterhin Ausstellungen, wie zur Zeit die Fototransformationen von Richard Ollig – mocoro geben. Und wir wollen natürlich die Reichweite unserer eigenen Botschaft erweitern und planen dazu unter anderem Aktionen am Weltwassertag, 22. März oder Veranstaltungen zum Gedenktag an den Fabrikeinsturz Rana Plaza rund um den 24. April.

Wir sehen unsere Aufgabe eben nicht nur darin tolle Eco Mode zu verkaufen, sondern die Menschen darauf aufmerksam zu machen, worauf insbesondere beim nachhaltigem Kleidungskauf zu achten ist. Damit es hoffentlich bald zum Standard wird, „saubere“ Sachen zu konsumieren.“

 

Vielen Dank Katrin & Katharina!