Beim Thema vegane Restaurants und Cafés kann München auf jeden Fall mit anderen Großstädten mithalten – sucht man nach kleinen feinen Läden mit veganen Produkten ist dagegen noch viel Luft nach oben. Umso schöner, dass es seit sechs Jahren den Veganista in der Barer Straße 36 gibt. Hier lässt sich ein Museumsbesuch ideal mit einem Besuch in Rahels lichtdurchflutetem, liebevoll eingerichteten Laden verbinden. Das Sortiment ist nicht nur vegan – es ist gleichzeitig fair und ökologisch nachhaltig produziert. Jedes einzelne Teil wurde von Rahel mit ganz viel Herzblut und Geschmack ausgesucht. Bei einer Tasse Kaffee hat sie mir erzählt, wie sie zum eigenen Laden kam und was das Besondere an ihrem Sortiment ist.

 

Liebe Rahel, du hast deinen Laden Veganista genannt. Lebst du auch vegan? 

Vegan lebe ich schon gefühlt seit ewigen Zeiten – das war damals in Deutschland natürlich noch nicht so verbreitet, wie jetzt. Damals hatte ich das Glück, in einem High School Jahr in Amerika ein paar Klassenkameradinnen kennenzulernen, die in ihrer Freizeit für Peta auf die Straße gegangen sind. Ich selbst war Vegetarierin, hatte aber keine Ahnung davon, was „Vegan“ bedeutet. Die Mädchen klärten mich auf – über Hühner, denen die Schnäbel gestutzt werden und Kühe, die künstlich schwanger gehalten werden, um durchgehend Milch zu geben. Das wusste ich damals alles nicht. Seitdem bin ich selbst Veganerin.  Vegan zu leben ist für mich kein kurzzeitiges Interesse oder ein temporärer Geschmack, sondern vielmehr eine Überzeugung.

 

Wie verlief der Weg von deiner Überzeugung zum eigenen kleinen Laden?

Ich habe Kunstgeschichte studiert und hatte nach einem Volontariat eine feste Stelle bei einem Münchner Verlag – eigentlich alles ideal, nur habe ich sehr schnell gemerkt, dass es das nicht ist. Schon damals hatte ich die Idee im Kopf, einen eigenen Laden zu eröffnen. Damals hab ich schon bisschen gekuckt, was es für Labels gibt und was möglicherweise in so einen Laden passen würde. Und ganz blauäugig Firmen angeschrieben. Bis die Idee dann Realität wurde.

 

Veganista

Veganista 

 

Wie bist du zu diesem schönen Raum mitten im Museumseck gekommen? 

Zuvor war hier ein Antiquitätenladen drin, davon gibt es natürlich in der Museumsecke so einige. Die Besitzer haben noch einen weiteren im Glockenbach und den hier damals aufgegeben. So hab ich mich ganz einfach beworben und Glück gehabt! Mit den Vermietern bin ich auch sehr happy, die leben hier im Haus. Die Sympathie war ihnen wichtiger als irgendwelche Buisnesspläne. Eigentlich ist vor allem für solche Ladenideen wie die meine sehr schwer, etwas zu bekommen – da bin ich schon sehr zufrieden!

 

Oh ja, solche Glücksgriffe sind in München wirklich selten. Wie finden dich deine KundInnen, hier zwischen den ganzen Museen? 

Klar, der Laden liegt nicht gerade in einer super Einkaufsmeile – das könnte ich mir garnicht leisten und würde es mich vielleicht auch garnicht trauen. Aber da ich so ein spezielles Sortiment habe, kommen die Meisten gezielt. Ich freue mich aber natürlich auch über jede Person, die einfach reinschaut und Interesse hat. Es ist auch einfach immer schön, hier auf Gleichgesinnte zu treffen, die sich dafür interessieren, wie es in der Welt zu geht, gerne fair hergestellt Mode kaufen wollen und Wert darauf legen, dass diese auch ökologisch sinnvoll produziert ist. Ein kleiner Teil ist auch speziell an dem veganen Thema interessiert, was mich persönlich auch immer freut.

 

Veganista

Veganista

 

Wie spielen die Kriterien Fair, Ökologisch und Vegan für dich zusammen? 

Ich denke, diese drei Aspekte muss man eigentlich immer irgendwie zusammen denken. Weder soll die Umwelt ausgebeutet werden, noch Tiere oder Menschen. Wenn die Umwelt ausgebeutet wird, die Menschen aber unter fairen Bedingungen arbeiten, schlägt das natürlich trotzdem wieder auf Mensch und Tier zurück. Das lässt sich schwer trennen.

 

Klar, das eine bedingt das Andere. 

Total, es gibt zum Beispiel Fairtrade-Baumwolle, die ist mit dem Fairtrade-Logo zertifiziert, das heißt dann aber natürlich nicht zwingend, dass diese auch biologisch sinnvoll produziert wird. Die Bauern bekommen für die Biozertifizierung nochmal einen Aufschlag, was natürlich auch für sie selbst fairer ist, weil sie dann nicht mit giftiger Chemie in Berührung kommen. Das ist wie ein Kreislauf.

Neulich war ich zum Beispiel mit einer Kundin im Gespräch, die war zuvor in der Conscious Abteilung von H&M und hat sich ein T-Shirt gekauft. Klar, wenn Biobaumwolle draufsteht, ist das auch Biobaumwolle – nur trotzdem „Made in Bangladesh“. Ein Kleidungsstück ist einfach so etwas Komplexes, vom Anbau der Rohstoffe über die Verarbeitung und die Arbeitsbedingungen. Da gibt es so viele Stationen – bei meinem Sortiment achte ich deshalb darauf, dass wirklich die gesamte Kette mit Siegeln versehen und zertifiziert ist. Oft sind es auch so kleine Labels, dass sie die geringe Auflage komplett unter Kontrolle haben, da braucht es dann nicht zwingend ein Siegel. Hier kann man als KundIn sicher sein, dass das sinnvoll produziert wurde und die Qualität stimmt.

 

Veganista

Veganista

 

Wie suchst du dir dein Sortiment aus?  Kommen Vertreter vorbei oder fragen die Labels selbst an? 

Ich bekomme schon immer viele Emails und hin und wieder auch Vertreterbesuch, hier muss man eben schauen, ob es rein passt. Über FAIRLING bekomme ich auch immer wieder Vorschläge, was mich echt freut. Ich muss nur gucken, was sinnvoll erscheint, weil hier eben nicht so viel Platz ist. Eigentlich ist es einfacher, mit kleineren Labels zu arbeiten, da muss man als nicht so große Mengen abnehmen. Natürlich muss ich hier auch aufpassen, dass ich nicht den Überblick verliere, wenn mir so vieles gefällt. Für die KundInnen muss es ja auch Sinn machen – es bringt nichts, wenn ich mit 20.000 Labels aufwarte und dann von jedem nur ein Teil im Laden hängt.

Findeling war mir da auch gleich sympathisch, mit der Idee, den lokalen Handel zu unterstützen und das Digitale dafür zu nutzen, die Leute wieder zurück in die Realität zu leiten – raus aus dem virtuellen Raum. Ich weiß natürlich, dass es dem Zeitgeist entspricht, online zu kaufen – aber mir persönlich ist es einfach wichtig realen Kontakt mit den Leuten zu haben. Vor allem in meinem Fall gibt mir das das Gefühl, etwas bewegen zu können.

 

Veganista

Veganista

 

Du hast nicht nur Kleidung, wie ich sehe! 

Besonders an meinem Sortiment sind vor allem die veganen Schuhe. So ein Angebot mit explizit veganen Schuhen gibt es so in München eigentlich nicht – so weit ich informiert bin. Es ist aufwendig, immer alle Größen vorrätig zu halten und den Geschmack der KundInnen zu erfüllen. So habe ich zum Beispiel ganz tolle vegane Highheels von Beyond Skin, ein kleines Label. Die find ich selbst total super, aber im Alltag trägt man doch eher flache Schuhe. Oder Good Guys, richtig schöne weiße Sneaker, die sogar Emma Watson trägt.

Schmuck habe ich auch ein bisschen – gerade erst kam ein Label dazu, das mit recyceltem Sterlingsilber und Fairtrade-Gold arbeitet. Für Interessierte gibt es auch eine kleine Auswahl an veganer Literatur. Ganz stolz bin ich auch auf meine neueste Errungenschaft, ein Taschenlabel auf Israel. Die Dame produziert alles selbst aus italienischer Mikrofaser und verwendet Siebdruckverfahren. Auch die Sonnenbrillen mit Bambusbügel und Kunststoffbügeln aus recycelten Computern sind irgendwie besonders. Bei Kleidung ist es mir – auch im Sinne der Nachhaltigkeit – wichtig, dass viel dabei ist, was man gern, viel und vor allem lange tragen kann. Natürlich sind dazwischen auch ein paar besondere Teile, der Mix macht es hier.

 

Veganista

Veganista

 

Du bist seit zwei Jahren glückliche Mama – hast du Unterstützung im Laden? 

Ich mache den Veganista immer noch allein. Seid meine Tochter da ist hilft mir meine Mutter ab und zu vormittags aus. Es ist also eine Art Familienbuisness – aber ich bin auch ganz froh, dass ich größtenteils selber hier bin und auf Wunsch beraten kann. Mir liegt der Laden und die Thematik dahinter sehr am Herzen und ich genieße den persönlichen Kontakt sehr.

Ich freue mich natürlich, wenn weiterhin so viele nette Leute kommen, das gibt mir sehr viel zurück. Der Laden ist schließlich ein Herzensprojekt. Schön ist es auch, wenn mir KundInnen sagen, was sie sich persönlich wünschen, da bestell ich auch ab und an etwas auf Anfrage.

 

Vielen Dank, liebe Rahel! 

 

 

{Bilder: Miriam Worek / Findeling}