Es liegt uns sehr am Herzen, die Geschichten der kleinen und feinen Läden in Hamburg zu erzählen. Warum? Ganz einfach – weil sie unsere Stadt so einzigartig machen. Dazu gehören auch die beiden Ladenateliers von The Art of Hamburg in St. Georg und im Hamburger Portugiesenviertel. Dort dient ein Wischmopp als Pinsel und jeder Stempel aus Holz, Linol oder Pappe wird seit dem ersten Tag selbst gebaut. Wie sie zu ihrer ungewöhnlichen Kunst kamen, warum sie dafür erst einmal die Leinwand verlassen mussten und was Alltagsgegenstände zu perfekten Trägern ihrer Kunstwerke macht: Wir haben einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

„Natürlich war es schön, für viel Geld große Bilder zu malen. Aber wir wollten einen Platz erschaffen, von dem aus wir die ganze Welt ein bisschen bunter und schöner machen konnten – unabhängig von Galeristen und den üblichen Regeln des Kunstmarktes. “

 

The Art of HH interview

Hallo Sabine. Wer steckt hinter The Art of Hamburg?

“Das Künstlerduo Frank Bürmann und Jutta von Perfall haben sich 2006 mit unseren beiden Kaufhäusern einen Traum erfüllt. Nach Beendigung seiner Ausbildung als Polizist begann Frank seine Karriere 1989 als freischaffender Künstler. Er machte Kunst, mit der er international für Aufmerksamkeit sorgte – von New York, bis Biarritz und natürlich Hamburg, die Stadt in der er seit 12 Jahren lebt. Irgendwann wurde es ihm zu langweilig seine Werke nur in Galerien zu zeigen. Er begann, über bezahlbare Kunst im Alltag nachzudenken.

The Art of HH interview: Frank Bürmann

Jutta ist Grafik Designerin, die schon während ihres Studiums die große Leidenschaft für Fotografieren und Malen entdeckte. Nach der Arbeit in Werbeagenturen und dann einem eigenen Unternehmen beschloß sie schließlich 2006, sich ganz der Kunst zu widmen.”

Seit 2011 ist das Trio komplett: Mit Sabine Tönnissen kam die perfekte Ergänzung an Bord. Sie übernimmt es, den Künstlern den Rücken frei zu halten, damit die auch mal eine Woche im Atelier abtauchen können. Und wenn sie sich mal vergalloppieren und anfangen, etwas zu sehr rumzuspinnen sagt sie ganz freundlich: „SUPER IDEE! Machen wir aber nicht.“

Wie wird Hamburg bei euch zur Kunst gemacht?

“Bei uns werden ganze Kollektionen, also z.B. T-Shirts, Jacken oder Taschen zur Leinwand. Ja, wir glauben, das Mode Kunst ist. Auch ein bemaltes T-Shirt ist KunstJedes dieser Kunststücke ist ein handgefertigtes Unikat. Sie sind eine Liebeserklärung an unsere Stadt in außergewöhnlichem maritimen Design und mit ordentlich Hafengeschmack – hanseatische Statements die man selbstbewusst hinaus in die Welt tragen kann. Wie unser Name schon sagt: Kunst, erdacht, geschaffen und verkauft in Hamburg.”

Welche Druck-Motive verwendet ihr – und warum genau diese? 

“Ein Maschinist ist jemand, der was tut und nicht quatscht. Das ist urhamburgisch. Was die Hammaburg angeht: Bei einem Sonntagsspaziergang auf dem Ausgrabungsgelände am Hamburger Domplatz buddelten wir zufällig die alten Holzdruckplatten der Hammaburg aus dem 9. Jahrhundert aus. Wir wussten damals nicht so genau, was es mit den alteb Bohlen auf sich hatte, fanden aber das Muster sehr schön.

Auch die Geschichte der Container liegt uns am Herzen. Wir haben schon immer gerne am Hafenrand gestanden und den dicken Pötten und Ihrer Ladung sehnsüchtig hinterher geguckt. Immer noch kriegen wir vom tiefen Tuten der Schiffshörner Gänsehaut. Und unsere Faszination für das ewige Treiben in den Docks und Containerterminals wird wohl nie enden.

Das Anker-Tattoo auf dem Oberarm von Frank sei echt und auf einer seiner Fahrten auf hoher See entstanden – so hat er es immer erzählt. Und wir haben es geglaubt. Bis er eines Tages dabei erwischt wurde, als er vor dem Spiegel die Linien des Ankers mit einem Kugelschreiber nachmalte. Er gestand, dass er das schon seit Kindestagen tue. Weil er den Anker so liebt und Kugelschreiber-Tattoos nun wirklich albern sind, haben wir ihn einen grossen Anker schnitzen lassen, mit dem er seit dem T-Shirts, Jacken, Pullover, Taschen und Seemannsschlüpfer bedruckt.”

The Art of HH interview: Maschinist

The Art of HH interview: Moder ist Kunst

The Art of HH interview: Anker Motiv

 

Hier dreht sich ja vieles um Hamburg – was ist euer Geheimtipp-Spot in der Hansestadt?

Unser absoluter Geheimtipp sind die Heimspiele des neuen Handball Sportvereins Hamburg. Nicht nur, weil die Jungs in den von uns gestalteten Trikots seit zwei Jahren ein echter Hingucker auf dem Spielfeld sind. Vor allem sind sie sportlich spitze, steigen ziemlich sicher in der nächsten Saison bereits auf und haben die tollste Fan Base. Da ist jedes Spiel wirklich Stimmung pur!

Worauf freut ihr euch in den kommenden Jahren? 

Es bleibt spannend! Hamburg durchläuft gerade großen Veränderungen, der Handel muss sich jeder Menge Herausforderungen stellen. Die Medienvielfalt der Menschen sorgt für ein Übermaß an Informationen. Es wird schwieriger, die Leute zu erreichen und zu faszinieren.

Aber wir glauben daran, dass die Sehnsucht der Menschen nach etwas „Echtem“ weiter wächst. Der Wunsch, reale Menschen zu treffen, die sich für ihre Sache begeistern und diese Begeisterung teilen. Menschen, die „echte“ Produkte herstellen, anbieten und die dazugehörigen Geschichten erzählen können. Deshalb freuen wir uns weiterhin auf solche Begegnungen!

Vielen Dank, Sabine.

 

 


Durch Läden wie auch The Art of Hamburg bleibt unsere Hansestadt authentisch und “urerdig”. Taucht in Frank und Jutta’s Wanderausstellung am Hafen oder in St. Georg ein, und lasst euch von ihren Kunstwerken inspirieren.


 

 

{Bilder: The Art of Hamburg, Findeling}